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Tiberio-Schlucht, Grotta Grattara, Abisso del Vento, Abisso del Gatto, Wasserfall Scopalacqua: wo sie liegen, wie du hinkommst und was verboten ist.
Schluchten, Höhlen und Wasserfälle der Madonie sind das Werk des Wassers im Kalk. Am bekanntesten sind die Tiberio-Schlucht, ein rund 450 Meter langer Canyon, den der Fluss Pollina bei San Mauro Castelverde gegraben hat, die Grotta Grattara oberhalb von Gratteri und der Wasserfall des Vallone Scopalacqua mit rund 40 Metern Fallhöhe an der SP54. Unter der Erde liegen Hunderte Meter tiefe Abgründe, etwa der Abisso del Vento bei Isnello und der Abisso del Gatto bei Cefalù, der tiefste Siziliens.
Manche Orte besuchst du bei einem Spaziergang, andere nur mit Führern oder Höhlenforschern. Dieser Ratgeber sagt dir, was es zu sehen gibt, wie du hinkommst und was verboten ist.
Kurz gesagt
Ein großer Teil der hohen Madonie besteht aus Kalk und Dolomit. Regen- und Schmelzwasser löst diese Gesteine: Das ist Karst. An der Oberfläche hinterlässt er Dolinen und Schlucklöcher, im Untergrund gräbt er Höhlen, Schächte und Abgründe.
Laut Wikipedia erzählen waagrechte und senkrechte Hohlräume von zwei verschiedenen Phasen: Die einen entstanden, als sich das Gebirge langsam hob, die anderen in Phasen rascher Hebung. Auf der Carbonara-Hochfläche gibt es keine Flüsse an der Oberfläche, weil das Wasser sofort versickert und weiter unten in den Quellen wieder austritt.
Die eindrucksvollsten Höhlen liegen laut Wikipedia in den Massiven von Pizzo Dipilo, Monte Balatelli, Monte Ferro und Cozzo Carcarello. Weiter unten arbeiten die Flüsse. Der Ente Parco erklärt, dass sie sich in Kalk und Sandstein senkrecht in V-Form eingraben und Schluchten öffnen; in Ton weiten sie dagegen die Täler.
Die Gole di Tiberio sind ein kleiner Canyon am Fluss Pollina, zwischen den Gemeinden San Mauro Castelverde, Castelbuono und Pollina. Sie liegen auf etwa 100 Metern Höhe, rund zehn Kilometer vor der Mündung ins Tyrrhenische Meer.
Laut Wikipedia ist die Schlucht etwa 450 Meter lang, mit Wänden bis 50 Meter und Wassertiefen bis 8 Meter. Der Ente Parco erklärt, dass die Kalkgesteine vor mehr als 200 Millionen Jahren entstanden sind. Der Fluss begann im Miozän, sich einzuschneiden, und laut Wikipedia war der Canyon vor etwa zwei Millionen Jahren ausgebildet. An den glatten Wänden siehst du fossile Schnecken, und Felsenvögel brüten dort.
Der Name der Ortslage stammt der mündlichen Überlieferung nach von einer römischen Villa, die Kaiser Tiberius gewidmet war. Auf Sizilianisch heißt die Schlucht ’u Mirìcu, der Nabel.
Der Weg beginnt an den Case Marcatagliastro, einem Gehöft auf 284 Metern an der Straße nach San Mauro Castelverde. Laut Tourismusdistrikt Cefalù Madonie führt er zwischen einem Olivenhain und einem Zitrusgarten zum Fluss hinunter und erreicht nach weniger als einem Kilometer den Eingang der Schlucht.
In der Schlucht kann man nicht gehen: Der Fluss füllt den ganzen Grund aus. Im Frühling und Sommer fährt man sie im Schlauchboot hinauf. Der Tourismusdistrikt nennt das Angebot des Vereins Madonie Outdoor, der 2021 auch eine Tour der Geopark-Woche im Schlauchboot durchgeführt hat.
Start, Tipps und Jahreszeit stehen auf der Seite zur Tiberio-Schlucht. Es ist einer der familienfreundlichsten Ausflüge, aber nach starkem Regen schwillt der Fluss an, und der Zugang wird gefährlich.
Die Grotta Grattara öffnet sich am Fuß des Pizzo Dipilo, etwa 300 Meter vom Ort Gratteri entfernt. Du erreichst sie von der Hochfläche San Nicola über einen Serpentinenweg durch einen Kiefernwald bis zum Felsblock lazzu di vuoi, dem Lager der Ochsen, und dann eben bis zum Eingang.
Der Ente Parco beschreibt in der Mitte der Höhle eine große, vom Tropfwasser ausgehöhlte Felsmulde und eine kleine Treppe, ausgetreten von den Schritten vieler Generationen. An den Felsvorsprüngen draußen brüten Schwalben und Tauben, und im Winter finden die Schafe hier Schutz vor dem Nordwind.
Die Höhle ist auch ein Ort der Geschichten. Der örtlichen Legende nach war sie das Haus der Befana, der vecchia strina, die in der letzten Nacht des Jahres durch die Kamine stieg, um die Strümpfe der Kinder von Gratteri zu füllen. Heute ist sie eines der 70 Geotope des Geoparks.
Im selben Massiv nennt Wikipedia die Grotta dei Panni auf 1.190 Metern und die Grotta dell’Appesa auf 900 Metern, beide bei Gratteri. Einige Höhlen am Pizzo Dipilo haben Funde aus dem Jungpaläolithikum geliefert.
In Piano Battaglia verschwindet das Wasser an einer genauen Stelle im Boden: im Schluckloch der Battaglietta, im Dialekt zubbiu. Es ist eine kleine Höhle am Fuß des Nordhangs der Senke, in die Regen- und Schmelzwasser fließt.
Es ist das am leichtesten zu sehende Geotop: Du erreichst es mit einem kurzen Abstecher vom geologischen Weg Battaglietta-Portella Colla oder vom Weg 552 Richtung Piano Sempria. Hinein geht es nur mit erfahrenen Höhlenforschern. Die Geologie der Gegend erklärt der Ratgeber zum UNESCO-Geopark.
Die Madonie haben einige der tiefsten Höhlen Siziliens. Es sind ernste Umgebungen mit senkrechten Schächten und Engstellen: Man besucht sie nur mit Ausrüstung und speläologischer Ausbildung.
| Höhle | Gemeinde | Tiefe | Ganglänge | Zugang |
|---|---|---|---|---|
| Abisso del Gatto | Cefalù | 323 m | etwa 1.100 m | Zugelassene Höhlenforscher, mindestens 4, nach Anmeldung |
| Abisso del Vento | Isnello | etwa 220 m | etwa 2 km | Erfahrene Höhlenforscher, Eingang auf Privatgrund |
| Pozzo Minnonica | k. A. | etwa 57 m erforscht | k. A. | Gefährlicher Schacht, nur Höhlenforscher |
Der Abisso del Gatto öffnet sich auf 380 Metern an den Westhängen des Cozzo Carcarello. Laut Tourismusdistrikt ist er die tiefste Höhle Siziliens.
Der Abisso del Vento liegt an den Hängen des Cozzo Balatelli bei Isnello. Der Name kommt vom starken Luftzug in der ersten Engstelle: Früher hieß es, man höre Wasser rauschen, wenn man das Ohr an den Fels lege. Die ersten Erkundungen stammen von 1972, durch die Höhlenforscher des CAI Cefalù, die nahe dem Eingang ein Grab aus der Kupfersteinzeit fanden. In den tiefsten Gängen gibt es Stalaktiten, Stalagmiten und Sinterfahnen.
Der Ente Parco nennt außerdem die Grotta Rossa und die Grotta del Vecchiuzzo, letztere mit einer archäologischen Fundstätte, unter den Höhlen, die man nur mit Fachleuten besucht.
Die Madonie gehören zu den wichtigsten Wasserreserven Siziliens. Wikipedia erinnert daran, dass sie einen großen Teil des Raums Palermo mit Wasser versorgen und dass manche Quellen mittlere Schüttungen um 800 Liter pro Sekunde haben, etwa die von Scillato, die vom gleichnamigen Aquädukt gefasst wird.
Der bekannteste Wasserfall der Madonie ist der des Vallone Scopalacqua an der SP54 auf dem Gebiet von Petralia Sottana. Laut Ente Parco fällt er rund 40 Meter über stark geneigtes Quarzgestein und lässt den Bach Mandarini entstehen. Rundherum wachsen Stechpalmen, und oberhalb lebt ein seltener Farn, den man hier filici francisi nennt.
2024 haben der Ente Parco und das regionale Amt für ländliche Entwicklung das Gelände gesichert, einen der Aussichtspunkte des Geoparks. Am 23. Mai 2026 wurde genau hier die Geopark-Woche eröffnet, mit der neuen Beschilderung am Lehrpfad.
Die Ordnung des Naturparks Madonie verbietet, Höhlen und natürliche Hohlräume zu betreten, außer den als Sehenswürdigkeit ausgewiesenen und nur auf dem markierten Weg. Das gilt auch für das Schluckloch der Battaglietta.
Für die Tiberio-Schlucht sind San Mauro Castelverde oder Pollina die bequemsten Ausgangsorte. Für die Grotta Grattara gibt es Gratteri. Prüfe vor dem Start das Wetter in San Mauro Castelverde.
Aktualisiert am 19. Oktober 2026
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